Imkerei
Vom Bienenfreund zum Imker
Alles, was du über die Bienenhaltung wissen musst – von der ersten Beute bis zur eigenen Honigernte. Praxisnah, ehrlich und mit Respekt vor dem Tier.
Einstieg in die Imkerei
Imkern ist ein Handwerk mit Tieren – kein Hobby, das man mal eben „macht". Diese 6 Schritte führen dich strukturiert zum ersten eigenen Volk.
1. Wissen aufbauen
Imkerkurs beim örtlichen Verein belegen (meist 1 Jahr begleitend). Fachliteratur lesen.
2. Standort wählen
Sonnig, windgeschützt, mit Wasserquelle in der Nähe. Mindestabstand zu Nachbarn beachten.
3. Anmeldung
Pflicht: Anmeldung beim Veterinäramt und Tierseuchenkasse. Haftpflichtversicherung über den Verein.
4. Material besorgen
Beute, Schutzkleidung, Werkzeug. Ein Paten-Imker hilft bei der Auswahl.
5. Erstes Volk
Ableger oder Schwarm vom Paten-Imker übernehmen – idealerweise im Mai/Juni.
6. Begleiten lernen
Regelmäßig kontrollieren, Stockkarte führen, Varroa monitoren – das ganze Jahr über.
Das Imker-Jahr
Der Imkerjahreszyklus folgt der Natur, nicht dem Kalenderjahr. Klick auf einen Monat, um die wichtigsten Aufgaben zu sehen.
- Sommertracht abschätzen (Linde, Akazie)
- Ableger pflegen und füttern
- Drohnenrahmen schneiden – Varroa biotechnisch bremsen
Varroa-Wegweiser
Klick dich durchs Jahr und sieh, welche Varroa-Behandlung gerade Sinn ergibt.
Empfohlene Methode
Drohnenrahmen schneiden
Biotechnisch: Drohnenbrut wird bevorzugt befallen. Vor dem Schlüpfen ausschneiden – natürliche Bremse.
Ausrüstung
Lass dich nicht von Online-Shops überrumpeln. Diese Grundausstattung reicht für die ersten 1–2 Völker.
Beute & Rähmchen
- •Magazinbeute (Zander, DN, Dadant) – nach Region wählen
- •Rähmchen mit Mittelwänden
- •Absperrgitter, Bienenflucht, Boden
Schutzkleidung
- •Imkerjacke oder Vollanzug mit Schleier
- •Lederhandschuhe (für Einsteiger empfohlen)
- •Festes Schuhwerk
Werkzeug
- •Stockmeißel & Smoker (Pfeife)
- •Abkehrbesen, Stockkarte
- •Refraktometer für Honigwassergehalt
Honigverarbeitung
- •Entdeckelungsgeschirr & Entdeckelungsgabel
- •Honigschleuder (Tangential oder Radial)
- •Doppelsieb, Abfüllkübel mit Quetschhahn
Bienengesundheit
Anzeigepflicht beachten: Bei Verdacht auf Amerikanische Faulbrut oder Kleinen Beutenkäfer sofort das Veterinäramt informieren.
Varroa destructor
kritischParasitäre Milbe – Hauptursache für Völkerverluste. Behandlung mit Ameisensäure (Sommer) und Oxalsäure (Winter).
Amerikanische Faulbrut
anzeigepflichtigBakterielle Brutkrankheit. Bei Verdacht sofort Veterinäramt informieren – meldepflichtig in DE/AT/CH.
Nosemose
Darmerkrankung durch Nosema-Sporen. Vorbeugung durch sauberen Standort und starke Völker.
Kalkbrut
leichtPilzerkrankung der Brut. Meist selbstheilend bei starken, gut belüfteten Völkern.
Kleiner Beutenkäfer
anzeigepflichtigEingeschleppter Schädling – in der EU meldepflichtig. Aktuell nur in Süditalien etabliert.
Honig – ernten & verarbeiten
Erntereife prüfen
Honig ist erntereif, wenn Waben zu mind. 2/3 verdeckelt sind und der Wassergehalt unter 18 % liegt (Refraktometer).
Schleudern
Entdeckeln, in Schleuder einsetzen, langsam anfahren, Seiten wechseln. Direkt durch Doppelsieb in den Abfüllkübel.
Rühren & abfüllen
Täglich rühren bis zur Cremigkeit. In saubere Gläser abfüllen – D.I.B.-Glas nur mit Mitgliedschaft und Honigprüfung.
Honig-Rechner
Spiel mit den Werten – wie viel Honig und Erlös kannst du mit deinen Völkern erwarten?
Schnitt in DE: 20–30 kg
40 kg
80
Möglicher Erlös
640 €
Hinweis: Bruttowerte ohne Material-, Verein- und Behandlungskosten.
Recht & Verein
Pflichten in DE
- • Anmeldung beim Veterinäramt (Bienenseuchen-Verordnung)
- • Beitrag zur Tierseuchenkasse des Bundeslandes
- • Honig-Verordnung bei Verkauf einhalten (Etikett, MHD, Charge)
- • Kennzeichnung der Beuten mit Name & Anschrift
Warum ein Verein?
- • Haftpflicht- & Honigversicherung inklusive
- • Schleuder, Refraktometer & Geräte zum Leihen
- • Erfahrene Paten-Imker als Mentoren
- • Schulungen, Honigprämierung, Gemeinschaft
Imker-Quiz
5 Fragen, die jede Imker:in beantworten können sollte. Wie viele schaffst du?
Wann wird in der Regel die Restentmilbung mit Oxalsäure durchgeführt?
Häufige Fragen
Nein – im Gegenteil. Honigbienen sind als Nutztier nicht gefährdet. Wildbienen brauchen Lebensraum (Totholz, Sandflächen, vielfältige Blüten), nicht mehr Honigvölker. Beides ist wichtig, aber unterschiedlich.
Verbände & Lernen
Noch kein Imker, aber bienenbegeistert?
Auch ohne eigene Völker kannst du Bienen helfen: bienenfreundlich pflanzen, Wasser anbieten und Wildbienen ein Zuhause geben.
